Ein anderer Blick auf Innovationen

Vor kurzem lernte ich ein Unternehmen kennen, welches ein komplexes, beratungsintensives Produkt, nämlich Solaranlagen, verkauft. Die Kunden registrieren sich dabei über das Internet, die intensive Beratung und letztendlich der Verkauf findet jedoch per Videokonferenz statt. Und das scheint zu funktionieren.

Der Chef des Unternehmens hatte einen interessanten Blick auf Innovationen: Er sagte „heute ist es neu und unüblich auf diese Art, nämlich ohne Vor-Ort-Termin ein solches Produkt zu verkaufen. Aber interessant wird es, wenn man das ganze aus der Zukunft betrachtet: In 15 Jahren wird man sich wundern, dass „früher“ Menschen mit Autos durch die Gegend gefahren sind (Aufwand, Zeit, Umwelt, Kosten…), um zu beraten oder zu verkaufen“.

Diese Art der Betrachtung – aus der Zukunft gedacht – ist manchmal sehr hilfreich, wenn man ein neues Produkt kritisch betrachtet. Ich glaube, in 15 Jahren wird man sich auch fragen, warum die Menschen früher alle täglich in Büros gefahren sind, um eine Leistung zu erbringen, die sie genauso gut (oder besser) von jedem Ort der Welt erbringen können.

Dies gilt für unglaublich viele Lebensbereiche, angefangen mit den Möglichkeiten, die Distance-Learning für die Ausbildung bietet. Ein Handwerk muss vor Ort gelernt werden, klar, aber seien wir ehrlich: Eine Vorlesung ohne Interaktion kann ich mir auch als Trainingsvideo anschauen, und Tutoren lassen sich virtuell per Chat oder Call einbinden.

Die technischen Voraussetzungen, nämlich die Möglichkeit, Informationen in hoher Qualität interaktiv an jeden Ort der Welt zu verarbeiten, sind jetzt bereits vorhanden. Hier hilft der Blick „aus der Zukunft“ verbunden mit der Frage, ob wir mit unserer Art, wie wir heute Arbeit organisieren, nicht vielleicht die „Fabrikarbeiter“ von morgen sein werden.